Otto-Brenner-Preis an zwei Journalisten der Mediengruppe Ippen

Langjährige und hartnäckige Recherche mit Preis ausgezeichnet

Otto-Brenner-Preis-2020-Verleihung-Gregor Haschnik und Juliane Löffler
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Otto-Brenner-Preis 2020

Frankfurt. Zwei Journalisten der Mediengruppe Ippen werden bei der Preisverleihung des Otto-Brenner-Preises bedacht. Den ersten Preis erhält Gregor Haschnik von der Frankfurter Rundschau (fr.de), Juliane Löffler von Buzzfeed erhält ein Recherche-Stipendium (buzzfeed.de). fr.de und buzzfeed.de sind Teil der Ippen Digital Plattform, des deutschlandweit größten Netzwerks digitaler Nachrichtenredaktionen.

Den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis für kritischen Journalismus 2020 der Otto Brenner Stiftung erhält Gregor Haschnik für seinen Beitrag „Wie starb Jan H.?“, der in der Frankfurter Rundschau/Beilage „FR 7“ am 12. Oktober 2019 erschienen ist und online unter abrufbar ist.

Seit 2014 recherchiert Gregor Haschnik über die Missstände in einer religiösen Gruppierung in Hanau, in der 1988 ein vierjähriger Junge gestorben war. Der Fall wurde seinerzeit schnell zu den Akten gelegt. Doch nach zahlreichen Gesprächen, intensiven Recherchen und Auswertung interner Schreiben hat Gregor Haschnik mit seiner FR-Geschichte „etwas Außerordentliches geschafft“, so die Jury. Seine herausragende journalistische Leistung führe nicht nur durch das Dickicht einer Sekte, sondern dank „seiner hartnäckigen Recherchen sei der Fall vor Gericht gekommen“. Der Journalist, so die Jury weiter, „habe gegen alle Widerstände von Behördenseite, aber auch von Sektenmitgliedern, unbeirrt die Geschichte des kleinen Jan verfolgt - und sich dabei auch durch Einschüchterungsversuche nicht davon abbringen lassen“. Einen Tag nach der Entscheidung der Jury, Gregor Haschnik für seine „beeindruckende Recherche“ auszuzeichnen, wurde die angeklagte Sektenführerin wegen Mordes an dem Vierjährigen verurteilt. Unabhängig davon hat Preisträger Gregor Haschnik nach Einschätzung der Jury auch ans Licht gebracht, mit welchen unglaublichen Praktiken diese Sekte geführt wird. „Und so vielleicht sogar weitere Opfer verhindert“, schreibt die Jury in der Begründung der Auszeichnung.

Der Artikel ist online abrufbar unter fr.de.

Außerdem hat die Jury drei Recherche-Stipendien vergeben. Eins davon erhält Juliane Löffler zusammen mit ihrer Kollegin Margherita Bettoni. Löffler ist Reporterin im Investigativ-Team Buzzfeed News in Berlin. Zusammen mit weiteren Kolleg:innen wird Löffler über sexuelle Belästigung und sexualisierte Gewalt im Medizinbetrieb recherchieren. Sie hat das Thema international aufgesetzt und wird gemeinsam mit Kolleg:innen in Italien, Frankreich und Kroatien an der Recherche arbeiten und damit auch die europäische Dimension des Themas aufzeigen.

Die Preisverleihung findet auf Grund der Corona-Pandemie am 17. November in Berlin ohne Publikum statt – sie wird für alle Interessierten ab 18.00 Uhr im Livestream über die Internetseiten der Stiftung unter www.otto-brenner-preis.de zu verfolgen sein.

Die Otto Brenner Stiftung verleiht den Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus 2020 zum 16. Mal. Prämiert werden journalistische Arbeiten, die das Motto der Ausschreibung „Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten“ in ihren Beiträgen beispielhaft umgesetzt haben.

Aus mehr als 500 Bewerbungen wählte die Jury am 23. September in Frankfurt a. M. die PreisträgerInnen in fünf Kategorien aus. Das Preisgeld beträgt auch 2020 insgesamt wieder 47.000 Euro.

Jurymitglieder 2020 sind die freie Journalistin Brigitte Baetz (u.a. Deutschlandfunk), Nicole Diekmann (ZDF-Hauptstadtstudio Berlin), Prof. Dr. Volker Lilienthal (Universität Ham- burg, Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Qualitätsjournalismus), Henriette Löwisch (Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, DJS), Prof. Dr. Heribert Prantl (Kolumnist und Autor, Süddeutsche Zeitung), Harald Schumann (Mitbegründer Investigative Europe, Redakteur für besondere Aufgaben Der Tagesspiegel) sowie Jörg Hofmann (1. Vorsitzender der IG Metall und OBS-Verwaltungsratsvorsitzender).

Informationen zu den prämierten Beiträgen, zu den Preisträger:innen und den Mitgliedern der Jury finden Sie unter www.otto-brenner-preis.de.