Ippen-Digital-Chef Jan Ippen zum Abschluss in Hamm

2000 Besucher zu Gast bei der "Digitalen Woche"

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Jan Ippen bei der "Digitalen Woche" in Hamm.

Hamm - Die Stadt hat eine positive Bilanz der "Digitalen Woche" gezogen. Zum Abschluss sprach der Digital-Stratege Jan Ippen über die Digitalisierung in der Medienbranche.

Mit der ersten „Digitalen Woche“ wollte die Stadt Hamm in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung, den beiden Hochschulen und rund 30 weiteren Partnern zeigen, wie vielfältig die Digitalisierung in Hamm bereits gelebt wird und Menschen die Scheu vor diesem so inflationär benutzten Begriff nehmen. Aber ist das gelungen?

„Am Anfang war ich nicht sicher, ob es so eine große Resonanz gibt. Das hat dann glücklicherweise eine Eigendynamik entwickelt. Wir wollten die Leute aus ihren Grabenstellungen rausholen, bei einigen hat das geklappt“, fällt Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ein positives Fazit. Auch viele der immerhin fast 2000 Besucher waren sich einig darüber, dass gerade der allumfassende Einfluss der Digitalisierung auf das eigene Leben durch das vielfältige Programm gut abgebildet und erklärt wurde.

So fällt das persönliche Fazit des OB aus

Der Altersschnitt bei den rund 40 Veranstaltungen lag dabei regelmäßig bei über 50 Jahren. So kamen Menschen mit der virtuellen Realität oder IT-Technik in Berührung, die damit sonst nicht viel zu tun haben. Der OB hat auch für sich persönlich etwas mitgenommen: „Ich habe durch diese Woche ein Stück weit die Angst vor der Digitalisierung verloren.“

Trotz der vielen Impulse sei es aber noch immer ein weiter Weg, der in Sachen Digitalisierung zu bewältigen sei, betont Professor Klaus Zeppenfeld, Präsident der HSHL. Besonders in der Bildung gebe es Nachholbedarf: „Neben Lesen, Rechnen und Schreiben müssen wir Programmieren in die Köpfe der Kinder reinbekommen. In Schulen funktioniert das noch nicht so, wie ich mir das vorstelle.“

Der erste Schritt von vielen weiteren

Die HSHL werde bei diesem Thema in Zukunft vorangehen. „Wir leben schließlich von der Technologie und dem Wirtschaftsvorsprung. Wenn wir da jetzt nicht mitmachen, werden die nachfolgenden Generationen die Wirkung zu spüren bekommen.“ Deshalb soll die „Digitale Woche“ nur der erste Schritt gewesen sein.

Im nächsten Jahr kommt es zur Neuauflage, damit die angestoßenen Diskussionen und Initiativen nicht gleich wieder verpuffen. Dann soll der Fokus noch stärker auf der digitalen Transformation liegen. „Wir wollen echte Mehrwerte für die Menschen schaffen und diese dann auch darstellen“, so Zeppenfeld.

Experte spricht über Wandel in der Medienbranche

"Innovation ist Pflicht, Stehenbleiben ist der Tod.“ Mit diesem markigen Leitspruch verdeutlichte Jan Ippen, Geschäftsführer von Ippen Digital, dass auch die Medienbranche durch die Digitalisierung von tief greifenden Veränderungen betroffen ist – und sich wandeln muss, um zu überleben.

Jan Ippen im Interview bei Radio Lippe Welle

Auf der Abschlussveranstaltung der „Digitalen Woche“ am Samstagabend im Gerd-Bucerius-Saal stellte Ippen die Zukunftsstrategie der Verlagsgruppe Ippen vor, zu der auch der Westfälische Anzeiger gehört. Angesichts sinkender Auflagen laufe den Verlagen die Zeit davon. Deshalb müsse sich die Branche schneller wandeln, als es so manchem lieb ist.

„Früher dauerte ein Innovationszyklus Jahrzehnte, heute sind es Jahre“ erklärte Ippen. Sein Unternehmen setzt dabei auf eine hohe Technologisierung, verbunden mit einer starken Automatisierung und Standardisierung. Nicht jede Redaktion müsse daher einen Text über einen Auslandsbesuch der Kanzlerin verfassen. „Das reicht auch einmal für die ganze Gruppe“, so Ippen.

Verlag muss Partner der Leser bleiben

Durch die Zentralredaktion in München werde die Reichweite aller Portale signifikant erhöht, die lokalen Redakteure würden die wichtigen Nachrichten von vor Ort liefern. Für Ippen ist besonders wichtig, dass der Verlag ein wichtiger Partner der Leser bleibt und – durch die Erkenntnisse über die einzelnen Zielgruppen – ihnen genau zugeschnitten das liefert, was sie wissen wollen.

Bei den Werbegeldern müsse zudem sichergestellt werden, dass große Konzerne wie Facebook oder Google nicht weiter den Großteil abschöpfen, ohne sich direkt ums örtliche Geschäft zu kümmern. „Sonst fließt das Geld, das die lokalen Händler für Werbung investieren, aus der Region und nach Amerika“, betonte Ippen.

id