CNN schneller als Öffentliche

Anschlag in Berlin: "Erst Fakten sammeln"

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Bei einem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt sind zwölf Menschen ums Leben gekommen.

Berlin - Erst gut eine Stunde nach dem US-Fernsehsender CNN informierten ARD und ZDF am Montag über den Anschlag von Berlin. Das sorgt für Kritik. Aber die Sender verteidigen sich.

Noch lange sind nicht alle offenen Fragen um den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt geklärt. In der Kritik steht aber bereits wieder die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender - als sich der schreckliche Vorfall am Montagabend ereignete, informierte unter anderem der US-amerikanische Sender CNN wesentlich schneller als die Kanäle von ARD und ZDF.

So notiert die Medienwebseite meedia.de, bereits um 20 Uhr habe CNN eine Augenzeugin des Anschlags auf Sendung gehabt. Wenige Minuten später sei CNNs Berlin-Korrespondent Frederik Pleitgen vor Ort gewesen. Das Erste hingegen unterbrach erst gegen 21.15 Uhr sein Programm. Das ZDF folgte gar erst eine weitere halbe Stunde später, um 21.45 Uhr.

Quiz statt Anschlags-Berichterstattung?

Diese Diskrepanz sorgte auch in den sozialen Medien, etwa auf Twitter, für teils harsche Kritik. Vor allem, dass eine Quiz-Sendung (im Ersten), beziehungsweise ein TV-Film (im ZDF) liefen, während sich in Berlin dramatische Momente ereigneten, stieß mehreren Kommentatoren übel auf.

Nichtsdestotrotz: Die Verantwortlichen von ARD und ZDF verteidigten ihre Programmplanung noch am Dienstag gegen die Vorwürfe. Sie erklärten übereinstimmend, ausreichende Recherche habe Vorrang vor unmittelbarer Berichterstattung.

Bellut: „Erst Fakten sammeln, dann Programm unterbrechen“

„Wir haben entschieden, erst Fakten zu sammeln und ein Bild von der Lage zu bekommen, bevor wir das Programm unterbrechen“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut gegenüber Meedia. Die Programmdirektion der ARD erklärte auf Anfrage von Focus Online, bei einer Nachrichtenlage wie in Berlin gelte das Prinzip: „Seriöse und gesicherte Informationen gehen vor Schnelligkeit.“

Ob diese Erklärung die Wogen glätten kann, bleibt abzuwarten. Bereits in der Vergangenheit waren die beiden Sender bei ähnlichen Gelegenheiten in die Kritik geraten - etwa im Sommer, als andere Medien wesentlich schneller auf den Putsch in der Türkei reagierten.

fn